Sunk Costs

Heute wollen wir ein Phänomen aus der Betriebswirtschaftslehre betrachten, das uns manchmal davon abhält “rationale” Entscheidungen zu treffen: Der “sunk costs”-Effekt!

Was sind nun versunkene Kosten? Sunk costs, versunkene Kosten, sind in der Vergangenheit entstandene Kosten oder Investitionen, die jetzt unbeeinflussbar geworden und daher irreversibel versunken sind. Egal was man tut, diese Kosten sind ein für alle mal verloren und können nicht irgendwie zurückgewonnen werden. Und weil sie unwiederbringlich sind, dürfen sie nicht für zukünftige Entscheidungen herangezogen werden. Alles was ich in Zukunft tue muss unabhängig von diesen Kosten sein.

Wie? Natürlich kommt es doch auf die Kosten an, wenn ich eine Entscheidung fällen will!

Klassisches Beispiel ist die Kinokarte, die man einige Zeit vor der Vorstellung kauft und nicht mehr umtauschen kann. Jetzt habe ich die Karte in der Tasche, der Preis ist bezahlt und alles ist gut. Bis ich vielleicht bemerke, dass ich gar keine Lust mehr auf den Film habe? Was dann? Spontan hätte ich gesagt, “ich gehe trotzdem ins Kino, schließlich habe ich schon so viel Geld dafür investiert”. Aber ist das wirklich eine rationale Entscheidung?

Betrachten wir einmal vereinfacht die möglichen Alternativen:

  1. Ich habe die Kinokarte bezahlt. Ich gehe ins Kino und schaue einen Film, obwohl ich gar keine Lust mehr darauf habe und ärgere mich vielleicht zusätzlich über die vertane Zeit.
  2. Ich habe die Kinokarte bezahlt. Ich gehe nicht ins Kino und verbringe meine Zeit lieber mit etwas, das mir mehr Spaß macht.

In beiden Alternativen habe ich die Kinokarte bezahlt, das Geld ist auf jeden Fall weg. Da es dabei keinen Unterschied zwischen den Alternativen gibt, kann man das Geld-Argument auch nicht zu einer rationalen Entscheidung heranziehen. Das Argument hebt sich gegenseitig auf. Am investierten Geld ändert sich schließlich nichts, egal was ich in der Zukunft tue.

Das entspricht nicht unbedingt unserer intiutiven, spontanen Entscheidungsstrategie. Zunächst hat man vielleicht das Gefühl, eine gültige Kinokarte zu verschwenden. Wenn sich allerdings die Umstände nachträglich ändern – beim Kauf hatte ich ja noch Lust auf den Film, jetzt nicht mehr – ist ein Festhalten an der ursprünglichen Entscheidung wegen bereits getätigten Investitionen wie gezeigt völlig irrational.

Wenn man sich das einmal bewusst macht, wenn man realisiert, dass versunkene Investitionen kein Argument für zukünftige Entscheidungen sein dürfen, ergeben sich für viele Entscheidungen heute oft völlig neue Perspektiven. Wenn ich den Geldaspekt bei der Kino-Entscheidung außer Acht lassen muss ist es relativ klar, dass ich lieber etwas erfreuliches tue, anstatt gegen meinen eigentlichen Willen ins Kino zu gehen.

Was natürlich zu der Frage führt, wo ich vielleicht sonst noch aus irrationalen Gründen an versunkenen Kosten festhalte? Dieses Phänomen lässt sich leicht auf viele andere Bereiche übertragen.

Spiele ich seit 40 Jahren Lotto mit den gleichen Zahlen? Halte ich verlustreiche Aktien, weil die damals teuer waren? Hängen alte Klamotten im Schrank, die ich nie wieder anziehe, aber die mal so toll waren?

Ganz nüchtern betrachtet könnte man das auch auf Partnerschaften und Beziehungen übertragen. Vergangene investierte Gefühle, Zeit und “Kosten” sind versunken, “verloren”. Ob man sich von seinem Partner heute trennen sollte, hat rein objektiv nichts mit der Dauer der gemeinsam verbrachten Zeit zu tun, sondern nur mit dem Jetzt: Habe ich und mein Partner heute genügend Gefühle?

Aber zum Glück ist der Mensch nicht immer ein rationaler Roboter…

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